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Medizin-Nobelpreis geht an US-Forscher

Der Nobelpreis für Medizin wird in diesem Jahr für die Erforschung der Inneren Uhr vergeben
von dpa, 02.10.2017

Das Karolinska-Institut gibt die Namen der Nobelpreisträger für Medizin bekannt

Foto: --/nobelprize.org/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++

Der Nobelpreis für Medizin geht in diesem Jahr an die drei US-Amerikaner Jeffrey Hall, Michael Rosbash und Michael Young für Arbeiten zur Funktion und Kontrolle der Inneren Uhr. Das teilte das Karolinska-Institut am 2. Oktober in Stockholm mit. Die höchste Auszeichnung für Mediziner ist in diesem Jahr mit umgerechnet 930.000 Euro (9 Millionen Schwedischen Kronen) dotiert.

"Jeffrey Hall, Michael Rosbash und Michael Young waren in der Lage, einen Blick ins Innere unserer biologischen Uhr zu werfen und ihre Funktionsweise zu beleuchten", hieß es von der Nobeljury. "Ihre Entdeckungen erklären, wie Pflanzen, Tiere und Menschen ihren biologischen Rhythmus so anpassen, dass er mit dem Tag-Nacht-Rhythmus der Erde übereinstimmt."

Erkenntnisse zur Inneren Uhr

Bereits im 18. Jahrhundert entdeckte der französische Astronom Jean Jacques d'Ortous de Mairan, dass bestimmte Pflanzen ihre Blätter im Hellen auseinander- und im Dunklen zusammenklappen. Er fragte sich: Was passiert, wenn man die Pflanzen im Dunklen stehen lässt? Sie öffnen ihre Blätter trotzdem, fand der Forscher heraus und folgerte: Sie müssen eine eigene biologische Uhr besitzen.

Die drei jetzt geehrten US-Amerikaner isolierten 1984 bei Fruchtfliegen ein bestimmtes Gen, das den Tagesrhythmus steuert. Hall (72) und Rosbash (73) fanden dann heraus, dass das dazugehörige Protein in den Zellen nachts angereichert und am Tag abgebaut wird. Einige Jahre später entdeckte Young (68) zwei weitere Proteine, die für die Stetigkeit der Inneren Uhr von großer Bedeutung sind. Der Chronobiologe Achim Kramer von der Berliner Charité bezeichnete die Innere Uhr als "fundamentales biologisches Prinzip".

Die Erkenntnisse könnten ein Bewusstsein dafür schaffen, wie wichtig gute Schlafmuster sind, erklärte Jurymitglied Juleen Zierath. Deutlich werde auch, dass man den besten Schlaf in einer dunklen Umgebung bekommt.

Anwendungen in der Medizin

Vereinfacht gesagt laufen in den Körperzellen bestimmte Reaktionen ab, die eine Art Kreislauf bilden. Er dauert im Prinzip einen Tag. Dabei gibt es beim Menschen eine Region im Gehirn, die den Takt für den restlichen Körper vorgibt. Er wird maßgeblich durch Licht und Dunkelheit beeinflusst.

Dem Menschen wird dieser Rhythmus am ehesten bewusst, wenn er aus dem Takt gerät, beispielsweise bei einem Jetlag und Schichtarbeit. Die Innere Uhr ist unter anderem daran beteiligt, uns schläfrig werden zu lassen, und steuert die Körpertemperatur mit.

Erkenntnisse über den Mechanismus lassen sich in der Medizin verwenden. So gibt es Überlegungen, sie etwa bei Therapien gegen Krebs zu nutzen, wie Henrik Bringmann vom Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie erklärt. "Wenn wir den Rhythmus der Zellteilung besser verstehen, könnten wir Medikamente gezielter einsetzen."

Seit 1901 haben 211 Menschen den Medizinnobelpreis erhalten, darunter zwölf Frauen. Der erste ging an den deutschen Bakteriologen Emil Adolf von Behring für die Entdeckung einer Therapie gegen Diphtherie.

Mit dem Medizin-Preis startete der Nobelpreis-Reigen. In den kommenden Tagen werden die Träger des Physik- und des Chemie-Nobelpreises benannt, gefolgt von der Bekanntgabe des diesjährigen Nobelpreisträgers für Literatur, des Friedensnobelpreisträgers sowie des Wirtschaftsnobelpreisträgers. Die feierliche Vergabe aller Auszeichnungen findet traditionsgemäß am 10. Dezember statt, dem Todestag des Preisstifters Alfred Nobel.



Bildnachweis: Foto: --/nobelprize.org/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++

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